Qualität aus Sicht der Kinder

Qualität aus Sicht der Kinder
Seien Sie mal ehrlich: Wann haben Sie die Welt das letzte Mal aus Kinderaugen betrachtet oder sich gefragt, was für die Kinder eine gute Betreuungsqualität ausmacht?
Die Diskussionen, was Kinder brauchen und wie sich Kinder am besten entwickeln, ist groß. Meistens sind es aber die Erwachsenen, die darüber reden oder auch streiten. Wann haben Sie das letzte Mal ein Kind gefragt...:


„Was gefällt dir…“
„Was gefällt dir nicht…“
„Was ist das Besondere an…“
„Was brauchst du…“
„Was wünscht du dir…“
„Was ist dir wichtig…“


…um dann mit dem Kinder in einen echten Dialog zu treten und gemeinsam Entscheidungen zu treffen?
Dieser sehr spannenden Kind-Perspektive sind nun Forscher des Instituts für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (DESI) in der QuaKi-Studie (Kita-Qualität aus Kindersicht) nachgegangen. QuaKi ist ein Teil des Programms Qualität vor Ort der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Jacobs Foundation.

Gestern habe ich an der dialogischen Veranstaltung „Qualität von Kindern gedacht - Die Studie Kita-Qualität aus Kindersicht“ in Stuttgart teilgenommen und halte meine Eindrücke hier für Sie fest.


Zunächst wurden zentrale Ergebnisse der Studie vorgestellt, um dann – ganz im Sinne der dialogischen Perspektive – im Austausch Gedanken und Inspirationen weiterzuentwickeln.


Als Abschluss des Tages hat die Kinderbeauftragte der Stadt Stuttgart, Maria Haller-Kindler, berichtet, wie es der Stadt Stuttgart gelingt, die Partizipation von Kindern in der (Verwaltungs-)Praxis umzusetzen.


Für mich war es ein sehr inspirierender Tag, der mich auch viel zum Nachdenken angeregt hat. In der Studie wurden qualitative Methoden angewandt, um Dimensionen der Qualität zu generieren, die für Kinder bedeutsam sind.
Vieles von dem, was mir in meiner täglichen pädagogischen Arbeit mit den Kita-Teams zur Selbstverständlichkeit geworden ist, wurde bestätigt.


Auch die Dimensionen sind, wenn man sich mit Qualitätsentwicklung beschäftigt, nicht wirklich neu:
1. Individualität und Zugehörigkeit: Sich einer Gemeinschaft zugehörig und in der eigenen Individualität wertgeschätzt fühlen.
2. Kompetenzerleben: Sich selbst als kompetent erleben und als kompetent anerkannt werden
3. Autonomie und Partizipation: Möglichkeiten der Selbst und Mitbestimmung erfahren
Mich erinnern sie sehr an die Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan, in der die Bedürfnisse Kompetenz, Autonomie und Eingebundenheit einen zentralen Faktor bilden.

 

Hier ein paar Dinge, die mir noch sehr lebendig vor Augen stehen. Einerseits weil sie sehr logisch sind und ich sie auch aus meiner eigenen Kindheit und den Erinnerungen gut kenne und andererseits weil wir als Erwachsene im Alltag nicht immer achtsam mit diesen Feinheiten umgehen.
Zum Beispiel der Punkt, dass Kinder, wenn Sie gefragt werden, auch weiter beteiligt sein wollen. Wenn Kinder gefragt werden und dann doch die Erwachsenen ihr „Ding“ durchziehen, dann reagieren Kinder (früher wie heute) mit „Dann frag doch erst gar nicht“.
Oder auch die Tatsache, dass Kinder an „geheimen Orten“ spielen wollen. Also in Schlupfwinkeln, Verstecken, Höhlen… und hierbei die Möglichkeit des Rückzugs aber auch des unbeaufsichtigten und unkommentierten Spiels suchen. An diesen Orten entstehen auch „Geheimwelten“, in denen Dinge möglich sind, die in der „echten Welt“ nicht gehen.


Die Ausnahme von der Regel: Dass Kinder immer wieder in den verschiedenen Kontexten nach Ausnahmen von der Regel suchen ist nichts Neues – das haben wir als Kinder ja auch gemacht ;-)
Wie nachhaltig allerdings Ausnahmen wirken können, wenn sie wirkliche Ausnahmen sind, und die Erwachsenen einen klaren Rahmen bereitstellen, ist mir am Beispiel „nackig im Regen“ geworden. In diesem Beispiel durften die Kinder ausnahmsweise „nackig“ im Garten „im Regen“ „plantschen“, da sich das Wetter eingeregnet hatte. Die Erwachsenen in der betreffenden Kita haben den Kindern einen Rahmen bereitgestellt, in dem die Kinder eine Ausnahme von der Regeln (bei Regen in Matschhose und Matschkleider in den Garten) machen konnten. So war eine sehr intensive und auch nachhaltige Körpererfahrung im Regen möglich.


An dieser Stelle ein Dankeschön an die Initiatoren der Veranstaltung und an das Forscherteam. Für eine spannende Studie und einen lebendigen und belebenden Austausch. Es ist auf jeden Fall ein Thema, an dem es sich lohnt, weiter zu forschen und in die Tiefe einzusteigen.


Eine kleine Anregung an alle Fachkräfte in Kitas: Machen Sie doch einfach einmal Ihre eigene kleine Umfrage in der Kita und fragen Sie „Ihre“ Kinder, was sie toll an der Kita finden und was sie verbessern/verändern würden und überlegen gemeinsam mit den Kinder, wie Sie anschließend alles dokumentieren können und welche Veränderungen wie möglich sind, wie die Kinder weiter beteiligt sein können bzw. informiert werden können, was und wie realisiert werden kann.
Ich bin schon sehr gespannt, was die Kinder heute und in Zukunft so bewegen können und hoffe, ich habe Sie ein bisschen inspiriert und neugierig gemacht.


Herzliche Grüße
Ihre Kerstin Müller

Dialogorientierte Fortbildung

Fortbildung ist nicht gleich Fortbildung. Das ist mir in letzter Zeit immer wieder aufgefallen.
Egal, mit wem ich im Austausch war, Kollegen, Bildungshäuser, Teilnehmer aus Fortbildungen, Vorträgen oder Workshops: Jeder hat seine/ihre Vorstellung davon, was eine Fortbildung ist und was er oder sie von einer solchen erwartet.

Für mich ist dies nun der Punkt, an dem ich gerne meine Grundhaltung, die ich in meinen Fortbildungen lebe, niederschreibe und für alle Interessierten sichtbar mache.

Wie schon der Titel verraten hat, sind meine Fortbildungen nicht nur Fortbildungen mit einem ausgeschriebenen Thema, sondern auch Anregungen in den Dialog zu kommen. Jeder Teilnehmer/ jede Teilnehmerin meiner Fortbildungen ist ein wichtiger Teil der Veranstaltung. Es geht darum, in den Austausch zu kommen, im Dialog zu sein und genau an den Erfahrungen anzusetzen, sie zu teilen, zu reflektieren und weiterzuentwickeln, die die Teilnehmenden mitbringen.

Ich sehe meine Aufgabe darin, das ausgeschriebene Thema gewissenhaft vorzubereiten:

  • Wissenschaftliche und theoretische Grundlagen,
  • praktische Anregungen und Impulse zur Umsetzung in die Praxis zu geben und
  • den roten Faden des Veranstaltungstages im Auge zu behalten.

Was dann im gemeinsamen ko-konstruktiven Austausch aus diesem Tag wird, ist etwas Einzigartiges und Besonderes, das nur durch die anwesenden Teilnehmenden zu dem wird, was es ist. So entscheiden wir gemeinsam, welcher Punkt besonders vertieft oder nur angerissen wird. Fortbildungen mit gleichem Thema werden so nie genau gleich ablaufen.

Für mich bedeutet das, flexibel zu bleiben, im laufenden Geschehen auch einmal die Methoden zu ändern. Das ist sehr spannend und bereichernd, erfordert aber auch ein sehr achtsames Vorgehen.

Und ein ganz wichtiger Part: Es braucht mündige Teilnehmer, die offen und interessiert sind an einem echten Austausch und Dialog, die sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit und Vorerfahrung einbringen und neue Wege gehen wollen.

An dieser Stelle ein großes und herzliches Dankeschön an all die Teilnehmenden , die sich bislang schon auf diese Art der Fortbildung eingelassen haben.
Ich freue mich schon auf die nächsten Veranstaltungen mit Ihnen.

Herzliche Grüße
Kerstin Müller

Vortrag „Achtsame Pädagogik von Anfang an“ in Linz/OÖ

Alltag ist Routine – manchmal zumindest.
Routine hat viele Vorteile: Man weiß, was zu tun ist und kommt schneller voran mit den Aufgaben und Arbeitspaketen. Den Alltag mit seinen Vorzügen genießen und dabei im Kontakt mit den Menschen zu sein, die einem dabei begegnen, ist eine große Kunst.

In meinem heutigen Vortrag ging es unter anderem darum:

  • Der Zusammenhang von Stress, geteilter Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu erkennen
  • Die verschiedenen Elemente, aus der sich eine achtsame Pädagogik zusammen setzt
  • Und ganz wichtig: Als Fachkraft mit sich selbst achtsam umgehen – Ressourcen schonend, mit Vorbildwirkung für Kinder, Kollegen und Eltern

Wer kurz in meinen Vortag vom Fachtag der Familienzentren der OÖ Kinderfreunde hineinschauen möchte, ist hier herzlich eingeladen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für den spannenden Tag mit Ihnen, den vielen Begegnungen und freue mich auf viele weitere Gelegenheiten zum Austausch über eine achtsame Pädagogik, die den Fokus auf die Interaktionsqualität legt.

Es grüßt Sie, wie immer, herzlichst
Ihre Kerstin Müller

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