Reflektiertes Handlungswissen

von kerstin.mueller
Zugriffe: 55

Was bedeutet das?
Das meiste alltägliche Handlungswissen eines Menschen hat er sich von anderen Menschen abgeschaut, z.B. in der Kindheit oder in der Ausbildung etc. Das geschieht in der Regel vollautomatisch, unbewusst und mit dem Blick „Ach so geht das, so funktioniert das, so ist es richtig“ und wird dann nicht hinterfragt.

Das menschliche Gehirn ist sehr ressourcenschonend: Gibt es eine Autobahn für eine Handlungsweise, eine Denkweise oder für eine Struktur, wird sie in der Regel genutzt.

Das ist auch sehr hilfreich für den Alltag, denn das Fahren auf Autobahnen braucht viel weniger psychische Energie. So hat jeder Mensch, ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, mehr Ressourcen für Unvorhergesehenes und Neues, wenn er bekannte und vertraute Dinge „vollautomatisch“ erledigt.

Sobald Sie anfangen Ihre Autobahnen und Haltungen zu reflektieren, sie zu prüfen und zu hinterfragen, erschließen Sie sich Ihr reflektiertes Handlungswissen. Das bedeutet, Sie schauen sich bewusst Ihre vollautomatischen Handlungs- und Denkmuster an. Dabei erkennen Sie, dass Sie viele Strategien für die Begleitung der Kinder haben, die Sie bislang unbewusst gewählt und eingesetzt haben. Nachdem Sie sich diese bewusst gemacht haben, können Sie diese auch bewusst auswählen. So können Sie für jedes Kind Ihrer aktuellen Kindergruppe aus Ihren Handlungsstrategien die passenden auswählen.

Natürlich wird es in diesem Prozess auch dazu kommen, dass Sie auf Autobahnen stoßen, die früher wichtig waren und „gut funktioniert“ haben, jetzt aber nicht mehr passen. Dann ist es an der Zeit, die Autobahn zu verlassen, sich auf die grüne Wiese zu trauen und gemeinsam mit der aktuellen Kindergruppe neue Erfahrungen zu sammeln. So bauen Sie gemeinsam an neuen Autobahnen und „ent-wickeln“ somit auch Ihre Haltung jedes Mal ein Stückchen weiter.

Je selbstverständlicher Ihnen dieser Prozess wird, um so entspannter können Sie sich auf die Begleitung aller Kinder Ihrer Gruppe einstellen, denn Sie sind das Reflektieren Ihrer unbewussten Handlungsmuster gewohnt. So entdecken Sie regelmäßig Schätze und können bei Bedarf auf die grüne Wiese fahren und gemeinsam mit den Kindern neue Lernerfahrungen sammeln.

Verschweigen möchte ich Ihnen auch nicht, dass es mitunter nötig sein kann, eine „alte“ Autobahn zu sperren und sich selbst zu sagen: „Ja, früher wurde es so gemacht (das war nicht entwicklungsförderlich für Kinder, aber man hat es halt so gemacht) – ab heute mache ich es anders.“ Den Gedanken- und Handlungsautos ist es meistens gar nicht so recht, wenn eine Autobahn gesperrt ist und sie auf die grüne Wiese ausweichen müssen/sollen. Diese können sich dann heftig wehren, denn: „Wir haben es doch schon immer so gemacht. Warum sollen wir es jetzt anders machen?“

Haben Sie Geduld mit sich und mit Ihren liebgewonnenen Gewohnheiten.

Es lohnt sich auf jeden Fall das eigene Handlungswissen zu reflektieren. Freuen Sie sich über stimmige und passende Handlungsautobahnen und „ent-wickeln“ Sie die anderen Handlungsautobahnen weiter.

Auch hier gilt: „Weniger ist mehr.“ Nehmen Sie sich eine Baustelle nach der anderen vor und lernen Sie sich immer besser und tiefer kennen.

Wenn Sie sich lieber begleitet auf den Weg machen wollen, scheuen Sie sich nicht, sich bei mir zu melden. Gerne können wir gemeinsam Ihr Handlungswissen reflektieren. Das geht in Form von Prozessbegleitung, Einzel- oder Gruppencoaching oder auch in Fortbildungen.

Ich freue mich, wenn ich Sie begleiten darf.

Machen Sie es gut.
Herzliche Grüße und eine gute Zeit.
Ihre Kerstin Müller